
* Die Metropolregion hat wärend der Projektlaufzeit den Titel um "Wolfsburg" erweitert. In der offiziellen Projektförderung ist dieser Name nicht enthalten, daher ist er hier in Klammen gesetzt.
Das Verbundprojekt „Regionales Management von Klimafolgen in der Metropolregion Hannover-Braunschweig-Göttingen-Wolfsburg“ (KFM) wurde über einen Zeitraum von etwa vier Jahren (2007 bis 2011) gefördert. Ziel dieses Forschungsprojekts ist es, die Auswirkungen des Klimawandels in der Metropolregion zu analysieren sowie mögliche Anpassungsstrategien zu entwickeln. Hierfür wird eine problemorientierte, feinskalige Anpassung der Ergebnisse der regionalen Klimaszenarien an die kleinräumigen geographischen Strukturen in der Metropolregion benötigt.
Der Schwerpunkt des Verbundprojekts liegt auf den Themenkomplexen Wasserwirtschaft, Energiepflanzen, Feldberegnung und Naturschutz, die in wechselseitiger Beziehung zueinander stehen. Die Ergebnisse aller Teilprojekte werden in einer Informations- und Kommunikations-plattform (I+K-Plattform) zusammengefasst. Sie gibt dem interessierten Nutzer nicht nur einen umfassenden Überblick über die Veränderung der meteorologischen Parameter in der Metropolregion, wie z. B. Niederschlag, Temperatur und Sonneneinstrahlung, sondern es werden auch Auswirkungen auf einzelne Lebensbereiche des Menschen und mögliche Anpassungsstrategien aufgezeigt. Der prinzipielle Aufbau des Forschungsverbundes ist in der Abbildung 1 skizziert.

Abbildung 1: Aufbau und Themen des Forschungsprojekts
Die Ergebnisse von Klimaszenarienrechnungen liefern die Kenntnis über die Entwicklung des globalen und des regionalen Klimas in den nächsten Dekaden. Diese Rechnungen basieren auf einer Reihe von Annahmen, wie beispielsweise die zukünftige Entwicklung der Treibhausgasemissionen, und sind mit spezifischen Unsicherheiten behaftet. Die Ergebnisse der Klimaszenarienrechnungen sind daher nicht als Vorhersagen über die Entwicklung des Klimas zu verstehen, sondern beschreiben die Bandbreite, in der sich ausgewählte meteorologische Parameter wie die Temperatur und der Niederschlag, mit einer gewissen Wahrscheinlichkeit in der nahen Zukunft bewegen.
Grundlage für die Analyse in dem Verbundprojekt KFM sind die Ergebnisse der regionalen Klimasimulationen des CLM (Climate Local Model). Diese beschreiben die Auswirkungen des globalen Klimawandels in der Metropolregion mit einer räumlichen Auflösung von etwa 16 km x 18 km. Um konkrete Aussagen auf lokaler Ebene treffen zu können, wurde in einem weiteren Schritt ein statistisch-dynamisches Downscaling mit dem mesoskaliges Modell FITNAH durchgeführt. Dabei wurden unter Berücksichtigung detaillierter Informationen zu Orographie und Landnutzung die Klimadaten des CLM auf eine räumliche Auflösung von 1 km x 1 km „intelligent“ interpoliert. Diese Vorgehensweise erlaubt es, die Effekte lokaler Besonderheiten auf die Verteilung der meteorologischen Variablen zu berücksichtigen (z.B. der Einfluss des Harz auf Niederschlag und Temperatur) und die aus Beobachtungen her bekannten Strukturen der Klimaparameter in der Metropolregion gut nachzubilden.

Abbildung 2: Screenshot des Instrumentes zur Visualisierung von Klimadaten innerhalb der im Projekt entwickelten I+K-Plattform
In der Metropolregion werden sich insbesondere die aus Modellergebnissen abgeleiteten erhöhten Mitteltemperaturen und das saisonal veränderte Niederschlagsregime auf einzelne Lebensbereiche auswirken. Daneben hat auch die Abschätzung der Entwicklung von Extremereignissen einen hohen Stellenwert, da diese mit einem großen Schadenspotenzial verbunden sein können. Diese Ergebnisse bilden die klimatischen Rahmenbedingungen für die Fragestellungen der einzelnen Teilprojekte wie:
- Landwirtschafts- und Naturschutzflächen werden naturgemäß direkt und in starkem Maß vom Klimawandel betroffen sein. Durch die Verschiebung der Niederschläge vom Sommer in den Winter und die höheren Mitteltemperaturen verändern sich die Standortbedingungen und damit auch die Anbau- und Wachstumsbedingungen für Nutz- und Wildpflanzen.
- In der Metropolregion werden sich die landwirtschaftlichen Beregnungsflächen aufgrund des veränderten Niederschlagsdargebots vergrößern. Hier sind lokale Anpassungsstrategien zu entwickeln. Insbesondere der Substitution des Grundwassers für die Feldberegnung, z.B. durch Klarwasser, kommt dabei ein hoher Stellenwert bei.
- Der Anbau und die Nutzung von Energiepflanzen leisten bereits heute einen wichtigen Beitrag zum Klimaschutz in der Metropolregion. Erklärtes Ziel der Europäischen Union und der Bundesregierung ist es, den Anteil regenerativer Energien langfristig auf 20 Prozent zu steigern. Vor diesem Hintergrund ist die Entwicklung eines klimaangepassten Anbau- und Nutzungskonzepts unter geänderten klimatischen Rahmenbedingungen von besonderer Relevanz.
- Die Wasserwirtschaft wird durch den Klimawandel ebenfalls auf vielfältige Art und Weise beeinflusst. So wird beispielsweise der Bedarf für die Feldberegnung steigen. Dem stehen veränderte Grundwasserneubildungsraten aufgrund veränderter Niederschlagsmengen, einer veränderten Niederschlagsverteilung und Evapotranspiration gegenüber. Zur nachhaltigen Bewirtschaftung der Grundwasserkörper und damit zur langfristigen Sicherung der Wasserversorgung sind dem Klimawandel angepasste Entnahmemengen zu ermitteln. Darüber hinaus werden integrierte Landnutzungskonzepte benötigt um den Wasserhaushalt zu stützen.
- Zwischen den Belangen der Landwirtschaft, des Naturschutzes und der Wasserwirtschaft bestehen vielfältige räumliche und funktionale Verknüpfungen. Diese sind durch ein hohes Potenzial an Konflikten gekennzeichnet, die sich vor dem Hintergrund des Klimawandels noch verstärken werden.
- Um auf metropolitaner Ebene Risiken angemessen bewerten und Potenziale optimal entwickeln zu können, ist eine wissensbasierte Informations- und Kommunikationsplattform entwickelt worden, in der auch ein Entscheidungsunterstützung implementiert ist. Hier stehen für alle Akteure die Ergebnisse des Verbundvorhabens in benutzerfreundlicher und bedarfsorientierter Aufbereitung zur Verfügung.
- Die Kommunikation der Ergebnisse sowie der Austausch mit den Akteuren aus Politik und Verwaltung haben in diesem Forschungsprojekt ebenfalls einen großen Stellenwert. Im Rahmen von Fort- und Weiterbildungen wurden die Forschungsergebnisse anwenderorientiert kommuniziert und über mögliche Anpassungsstrategien diskutiert.

Abb. 3: Screenshot des Entscheidungsunterstützungsystems innerhalb der im Projekt entwickelten I+K-Plattform
Einzelheiten zur Arbeit der einzelnen Teilprojekte können der Homepage des Projektes entnommen werden:
www.klimafolgenmanagement.de
Das Vorhaben vernetzte sieben Teilprojekte:
1. Klimawandel
Institut für Meteorologie und Klimatologie (ImuK), Leibniz Universität Hannover:
Umsetzung der globalen und nationalen Klimaszenarienrechnung auf
den regionalen und lokalen Maßstab.
2. Energiepflanzen
Landesamt für Bergbau, Energie und Geologie (LBEG):
Georeferenzierte Modellierung der standörtlichen Voraussetzungen.


Interdisziplinäres Zentrum für nachhaltige Entwicklung (ZNE), Georg-August-Universität Göttingen:
Standortoptimierte Auswahl von Energiepflanzen und Fruchtfolgen.

GEO-NET Umweltconsulting GmbH:
Potenziale für den Anbau von Energiepflanzen. Planerische Umsetzung.
Hochschule für angewandte Wissenschaft und Kunst (HAWK):
Auswahl und Bewertung rohstoffangepasster Verfahrenstechniken zur
Bioenergiegewinnung.
3. Feldberegnung
Landwirtschaftskammer Niedersachsen:
Potenziale für die Substitution von Grundwasser für die Feldberegnung.
4. Naturschutz
Leibniz Universität Hannover, Institut für Umweltplanung
, Niedersächsischer Landesbetrieb für Wasserwirtschaft, Küsten- und Naturschutz (NLWKN),
Region Hannover, Fachbereich Umwelt :
Empfindlichkeitsanalyse schutzwürdiger Arten und Biotopen und Entwicklung von Naturschutzmanagementkonzepten zur Minderung von Klimafolgen.

5. Wasserwirtschaft
Stadtwerke Hannover AG (Enercity); Landesamt für Bergbau, Energie und Geologie (LBEG):
Konzepte zur nachhaltigen Bewirtschaftung der Ressource Wasser.

6. I+K-Plattform
Leibniz-Universität Hannover; GEO-NET Umweltconsulting GmbH:
Entwicklung von computerbasierten integrativen Informations-,
Planungshilfe- und Beratungsinstrumenten. 
7. Fort- und Weiterbildung
Leibniz Universität Hannover, Zentrale Einrichtung für Weiterbildung (ZEW); target GmbH:
Vermittlung der komplexen wissenschaftlichen Erkenntnisse an
fachspezifische Akteure sowie Medien, Schulen und Bevölkerung.
Informationsstrategien zur Akzeptanz von Maßnahmen.
Kontakt
Prof. Günter Groß
Leibniz Universität Hannover
Institut für Meteorologie und Klimatologie (IMUK)
Herrenhäuser Str. 2
30419 Hannover
Tel. 0511 - 7622677
E-Mail: gross [at] muk.uni-hannover.de
Björn Beermann
GEO-NET Umweltconsulting GmbH
Große Pfahlstraße 5a
30161 Hannover
Tel: 0511 - 642184583
E-Mail: bjoern.beermann [at] KlimaFolgenManagement.de
Publikationen
KFM-Projektflyer

(pdf - 310 KB)
Projektwebsite
http://www.klimafolgenmanagement.de