Im Sommer 2007 führte das Institut der deutschen Wirtschaft Köln eine Online-Unternehmensbefragung (IW-Zukunftspanel) durch, bei der über 2.600 Unternehmens- und Geschäftsführer zu strategischen Chancen und Risiken der Bereiche des globalen Wandels sowie zur wirtschaftlichen Relevanz und zum Forschungsbedarf von Lösungsvorschlägen zu diesen Problembereichen befragt wurden. Für den Bereich des Klimawandels nannten knapp 80 Prozent der Befragten Chancen oder Risiken für ihr Unternehmen. Dabei halten sich jene, die Chancen für ihr Unternehmen sehen, und jene, die Risiken wahrnehmen, mit jeweils rund 44 Prozent nahezu die Waage. Der Anteil der Befragten, die sowohl Chancen als auch Risiken sehen, ist entsprechend gering (9 Prozent).
Die Unternehmens- und Geschäftsführer, die aus strategischer Sicht Chancen oder Risiken des Klimawandels für ihr Unternehmen sehen, wurde eine Reihe von möglichen Problemlösungen vorgelegt. Sie wurden gebeten zu beurteilen, ob diese Problemlösungen für Unternehmen relevant sind und ob sich an diese Forschungsbedarf knüpft. Für die Mehrheit der Befragten sind sowohl Maßnahmen zur Abschwächung des Klimawandels als auch zur Anpassung an seine Folgen von Relevanz. An erster Stelle stehen hier die Themen „Nutzung erneuerbarer Energien“ sowie „Technologien zur Steigerung der Energie- und Ressourceneffizienz“, die jeweils von mehr als drei Viertel der befragten Manager und Unternehmer als wichtig eingestuft wurden. Beides sind Themen aus dem Bereich der Verminderung des Ausstoßes von Klimagasen. Hohe Zustimmungswerte (68 Prozent) erhielt auch das Thema „Technologien und Präventivmaßnahmen zum Schutz vor den Folgen des Klimawandels“, also die Anpassung an den Klimawandel.

Ebenfalls als sehr relevant wurden „klimafreundliche Produkte“ eingeschätzt (67 Prozent). Und immerhin noch ein gutes Drittel der Befragten wies einer „den neuen Anforderungen angepasste Gesundheitsversorgung“ wirtschaftliche Relevanz zu – eine Maßnahme, die ebenfalls der Anpassung an den Klimawandel zuzuordnen ist. Dieser Anteil ist relativ hoch, bedenkt man, dass die meisten Unternehmen mit dem Bereich der Gesundheitsversorgung wenn überhaupt nur auf dem Gebiet des Mitarbeiterschutzes befasst sind. Auf deutlich weniger Interesse stieß der Themenbereich „Emissionshandel und derivate Produkte“. Gerade einmal 20 Prozent der Befragten halten den Emissionshandel für relevant. Dies verwundert nicht angesichts der Tatsache, dass der Emissionshandel zwar viel diskutiert wird, unmittelbar jedoch lediglich 1.849 Industrieanlagen in Deutschland am Emissionshandel beteiligt sind.
Im Rahmen der Unternehmensbefragung wurde ebenfalls erfragt, in welchen der sechs bereits angesprochenen Bereiche des Klimawandels die Unternehmens- und Geschäftsführer Forschungsbedarf sehen. Die Reihenfolge der Nennungen ändert sich nicht gegenüber der Relevanz-Einschätzung. Wiederum liegen die „Nutzung erneuerbarer Energien“ sowie die „Technologien zur Steigerung der Energie- und Ressourceneffizienz“ auf den ersten beiden Plätzen.

Darüber hinaus gaben die Unternehmens- und Geschäftsführer über 300 Hinweise zum weiteren Forschungsbedarf in Bezug auf den Klimawandel. Der bei weitem größte Teil dieser offenen Nennungen thematisiert Möglichkeiten zur Verringerung des Ausstoßes von Treibhausgasen. Diese Nennungen betreffen die Bereiche „Energieerzeugung und -verwendung“, „erneuerbare Energien“ sowie „Maßnahmen zur Reduktion der Emissionen“. Sie sind nicht allein Reaktionen auf den Klimawandel selbst, sondern können auch als Reaktionen auf die Klimapolitik gesehen werden. Jene Nennungen, die sich eindeutig auf den Klimawandel beziehen – also beispielsweise Forschungsbedarf in Bezug auf Anpassungsstrategien hervorheben oder weitergehende Grundlagenforschung anmahnen –, machen lediglich gut 3 Prozent aller Nennungen aus.

Insgesamt lassen sich fast 30 Prozent aller Nennungen dem Bereich „Energieerzeugung und -verwendung“ zuordnen. Die meisten Forschungsanregungen zielen hier in Richtung Energieeffizienz; es folgen verschiedene Forschungsideen zum Thema effizientere Motoren und alternative Antriebsenergien. Im Mittelpunkt stehen dabei neue Entwicklungen in Sachen Hybridantriebe und alternative Energieträger. Einzelne Forschungsfragen beschäftigen sich mit der Sequestrierung, also der Abscheidung und Lagerung von Kohlendioxid. Vor allem im Zusammenhang mit der Stromerzeugung aus Kohle werden hier Klimaschutzpotenziale gesehen.
Ebenso großen Forschungsbedarf sieht die Wirtschaft in Bezug auf die „erneuerbaren Energien“, beginnend mit Nutzung der Sonnenenergie. Weiterer Forschungsbedarf geht von der Nutzung von Biomasse und nachwachsender Rohstoffen aus. Vergleichsweise selten wird bezüglich der Windenergie – mittlerweile die in Deutschland am weitesten verbreitete erneuerbare Energiequelle – Forschungsbedarf gesehen.
Rund 13 Prozent aller offenen Nennungen zum Forschungsbedarf lassen sich unter Maßnahmen zur Reduktion der Prozessemissionen subsumieren; in erster Linie werden verbesserte Techniken angemahnt. Während eine Reihe von Nennungen sehr allgemeiner Natur ist und zum Beispiel Emissionsminderungen in der Produktion als möglichen Forschungsbereich nennt, werden andere hier konkreter. Für notwendig halten sie beispielsweise Forschung zur Reduzierung des Energiebedarfs in der Metallverarbeitung und im Werkzeug- und Formenbau durch Einführung neuer Technologien.
Neben den eher technologieorientierten Bereichen wird in einer geringen Zahl von offenen Nennungen die weitere Erforschung des Klimawandels und seiner Auswirkungen angesprochen. Im Einzelnen werden hier die Folgen für den Wasserhaushalts und für die Forstwirtschaft genannt.
Insgesamt wird an den Ergebnissen aus dem IW-Zukunftspanel deutlich, dass die Befragten das Thema Klimawandel durchaus als für das eigene Unternehmen relevant einschätzen. Ebenso lässt sich ersehen, dass sich der Blick der Unternehmer nicht allein auf die tatsächlichen Folgen eines sich verändernden Klimas richtet, sondern mindestens ebenso auf die Klimapolitik, wie beispielsweise höhere Standards bei der Energieeffizienz. Anpassungsmöglichkeiten an ein verändertes Klima spielen derzeit noch eine untergeordnete Rolle. Möglicherweise liegen die tatsächlichen Auswirkungen des Klimawandels außerhalb des mittelfristigen Planungshorizonts der Unternehmen.

Die Untersuchung ist in der Reihe der IW-Analysen erschienen und kann hier heruntergeladen werden:
Hendrik Biebeler, Mahammad Mahammadzadeh und Jan-Welf Selke, 2008: Globaler Wandel aus Sicht der Wirtschaft. Chancen und Risiken, Forschungsbedarf und Innovationshemmnisse. Köln.